Artikel aus der Freien Presse vom 14. Dezmber 2003

Chemnitz: Neue Tarife hagelt es zum Streckenfest

Citybahn übertrifft die Erwartungen: 6000 Gäste pro Tag

Ein Jahr nach Inbetriebnahme der Citybahnlinie Chemnitz-Stollberg sind täglich rund 6000 Fahrgäste auf der 23,2 Kilometer langen und 26 Stationen zählenden Strecke unterwegs. Kalkuliert waren 2500. Das gute Ergebnis wurde am Sonntag mit dem ersten Streckenfest Chemnitz-Stollberg entsprechend groß gefeiert.

Trotz Regen und Sturm herrschte am Sonntag reichlich Betrieb an allen Stationen. Gut besucht auch das Straßenbahndepot in Adelsberg, wo sich junge Leute wie Erik Ullmann oder Jens Engelhardt unter Aufsicht eines erfahrenen Straßenbahners als Fahrer ausprobieren konnten. Doch auch für Technikbegeisterte wie Thomas Fischer und Ronny Meyer gab es dort mit den Tatrazügen und den Variobahnen viel zu inspizieren. Vom Depot aus nach Stollberg sollte es für Familie Jäckel gehen, um dort an einer Turmbesteigung teilzunehmen. Vorher hätte sie aber ganz gern eine Runde mit der CVAG „Science-Fiction-Bahn 2103” gedreht. Die verspätete sich zwar, aber das ärgerte Vater Karl-Heinz und Sohn Andreas Jäckel viel weniger als die anstehende Preiserhöhung und Fahrplanausdünnung bei der CVAG „für uns das falsche Signal, den Nahverkehr attraktiver zu machen”, äußerten beide Jäckels.

Denn mit dem gestrigen Aktionstag der CVAG trat gleichzeitig der neue Fahrplan in Kraft. Und dieser bringt den Fahrgästen in Chemnitz nicht nur höhere Preise, u. a. für die Kurztickets und die Einzelfahrscheine für 60 Minuten, sondern auch Linienausdünnungen und ungünstigere Taktzeiten bei Bussen und Bahnen. Was die CVAG mit „notwendigen Reaktionen auf einen veränderten Beförderungsbedarf” umschreibt, stößt zum Beispiel bei der Ortsgruppe Chemnitz des Verkehrsclubs Deutschland auf deutliche Kritik. „Trotz sinkender Fahrgastzahlen wird an der Tarifschraube gedreht. Außerdem werden Linien ausgedünnt und die Taktzeiten vor allem in den Abendstunden eingeschränkt. Damit ist ein weiterer Rückgang der Fahrgastzahlen programmiert”, vermutet Sprecher Olaf Nietzel. Die CVAG räumte dazu zwar ein, dass es auf einzelnen Linien nun weniger Fahrten gebe, dafür würden jedoch die Reisezeiten für Umsteiger durch die neu gebotenen Anschlüsse an der Zentralhaltestelle im Regelfall verkürzt. Auch soll es im morgendlichen Berufs- und Schülerverkehr keine gestreckten Taktzeiten bei den Straßenbahnen mehr geben.

Auf eine heftige Kritik der Kunden vor Einführung der neuen Tarife hat die CVAG noch am Wochenende reagiert. Demnach gelten die bisherigen Einzelfahrscheine, Mehrfahrten- und Tageskarten, die noch zum alten Preis gekauft wurden, nun doch bis zum 31. Januar 2004. Ursprünglich sollten sie nur bis zum Jahresende gelten. Ein Umtausch auf neue Tickets ist aber nach wie vor nicht vorgesehen.

Noch ein Lichtblick: Nach Aussage von City-Bahn-Chemnitz Geschäftsführer Uwe Leonhardt wird die Ausweitung des Chemnitzer Citybahnmodells in Richtung Limbach-Oberfrohna geprüft. Gut sei mit verlängerten Einkaufszeiten am Samstag die verdichtete Zugfolge angenommen worden.

(ULI/RE)
14.12.2003

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