Artikel aus der Freien Presse vom 18. Juni 2003

Lichtenstein/St. Egidien: Ärger mit den „grünen Bananen“

Neue RegioShuttle-Wagen mit kleinen technischen Mängeln – Keine Gefährdung

Vor wenigen Tagen hat das Eisenbahnfachmagazin „Lok-Report“ von technischen Problemen bei den Dieseltriebwagen der Baureihe 650 berichtet.

Baureihe auch bei City-Bahn eingesetzt

Diese so genannten RegioShuttle setzt die City-Bahn Chemnitz GmbH seit Februar auch zwischen Glauchau und Stollberg über St.Egidien und Lichtenstein ein. Nach Aussagen des gewöhnlich gut informierten Branchenmagazins würden Risse an den Ober- und Untergurten der Drehgestellrahmen einen sicheren Eisenbahnbetrieb mit diesen Fahrzeugen derzeit nicht gewährleisten.

Keine Gefahr für Bahnbetrieb

City-Bahn-Chef Andreas Rasemann sieht die beschriebenen Probleme als weniger gravierend. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten mit einzelnen Komponenten dieser Züge gegeben, auch an den Drehgestellen. „Eine Betriebsgefahr hat jedoch dadurch zu keinem Zeitpunkt bestanden. Wir haben intern organisiert, dass die Drehgestelle unserer Fahrzeuge im Rahmen der Fristuntersuchungen auf Anrisse geprüft werden“, erläuterte Rasemann.

Darüber hinaus erfolge im Rahmen der täglichen Vorbereitungs- und Abschlussdienste eine Sichtkontrolle durch die Triebfahrzeugführer. „Wir sehen deshalb gegenwärtig keine Gefährdung des Bahnbetriebs“, betonte Rasemann. „Lästiger und zeitaufwändiger“ seien hingegen kleinere technische Störungen und Mängel an den Fahrzeugen, wie etwa Ausfälle der Klimaanlage oder der Kühler.

Durch derartige Pannen hätte schon häufig das Reservefahrzeug eingesetzt werden müssen. Grundsätzlich haben nach Rasemanns Einschätzung diese Mängel „aber lange noch nicht die Dimension“, wie sie die Deutsche Bahn AG mit ihren Diesel-ICE (zwischen Nürnberg und Chemnitz) oder den Regionaltriebwagen der Baureihen 611 und 642 zu bewältigen hat.

Erst Anfang des Jahres musste die DB-Tochter „Erzgebirgsbahn“ (Chemnitz) mehrere ihrer modernen 642er nach ungewöhnlichen Verschleisserscheinungen an den Achsen für einige Wochen auf das Abstellgleis schieben.

Hersteller wiegelt Pannen ab

Der Hersteller Siemens Transportation hatte die Pannen als „Kinderkrankheiten“ abgetan, unter denen auch der Diesel-ICE seit Betriebsaufnahme im Sommer 2001 leidet.

Störanfällige neue Eisenbahnfahrzeuge werden in der Branche als „grüne Bananen“ bezeichnet, deren sensible Technik erst im Laufe des regulären Betriebseinsatzes ausreifen muss.

Pannen sorgen dabei bundesweit bei etlichen Bahnunternehmen immer wieder für Ausfälle, Verspätungen oder betagte Bahn-Ersatzzüge.

(LAM)
18.6.2003

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