Artikel aus der Freien Presse vom Juni 2003

Stollberg/Hohndorf/St. Egidien: CityBahn: Fahrplan bereitet weiter Sorgen

Bahn-Kunden ärgern sich: Langes Warten auf Anschlusszüge in Stollberg - „Änderung frühestens im Dezember möglich”

Stollberg/Hohndorf/St. Egidien. Die Fahrpläne der City-Bahn-Linien zwischen Glauchau und Stollberg sowie zwischen Chemnitz und Stollberg sorgen noch immer für Ärger bei potenziellen Fahrgasten. Anschlüsse funktionieren in Stollberg nur bedingt, in St. Egidien und Glauchau sind gar Wartezeiten von einer knappen Stunde nötig.

Eine Alternative zum Auto ist die City-Bahn keinesfalls, schimpft Lutz Pornig aus Hohndorf, der regelmäßig nach Chemnitz pendeln muss. Will er morgens gegen 7 Uhr nach Chemnitz fahren, ist die Anschlussbahn in Stollberg schon sieben Minuten weg. Die nächste Vario-Bahn startet erst 23 Minuten später in Stollberg, aber genau diese einzige Fahrt ist wegen des Schülerverkehrs ausgetaktet.

Normalerweise beträgt die Umsteigezeit in Stollberg nur fünf Minuten. In der Gegenrichtung sind jedoch immer längere Wartezeiten nötig. „So schon ist Stollberg nun auch wieder nicht, dass man jedes Mal einen Stadtbummel machen möchte bis der Anschlusszug abfährt”, meint Pornig verbittert. Er holt deshalb seine Tochter mit dem Auto in Stollberg ab, wenn sie am Abend aus Chemnitz kommt, obwohl der Bahnhaltepunkt in Hohndorf gerade 200 Meter von seiner Wohnung entfernt ist.

„Die Fahrplane gehen völlig am Bedarf vorbei”, sagt der Hohndorfer. „Täglich fahren Geisterbahnen ohne Fahrgäste an unserem Gartenzaun vorbei.” Bei vielen Anwohnern der Bahnlinie sei die anfängliche Freude über die Wiederaufnahme des Betriebs längst in Wut und Empörung umgeschlagen. Vor allem verstünden viele Bahnkunden nicht, warum der kleine Fahrplanwechsel Mitte Juni nicht für Korrekturen genutzt wurde.

Die City-Bahn bestätigte die ungünstigen Anschlussgestaltungen in Stollberg und St. Egidien. Eine Änderung der Fahrzeiten sei jedoch frühestens zum großen Fahrplanwechsel im Dezember möglich.

Am Fahrplan auf der Kursbuchstrecke 522 zwischen Chemnitz und Stollberg werde sich aber auch dann nur wenig and ern. Immerhin müssten sich die Vario-Bahnen in den Takt der Trambahnlinie 6 der Chemnitzer Verkehrs AG einfädeln. Zudem seien Anschlüsse zu Buslinien in Neukirchen-Klaffenbach, Pfaffenhain und Stollberg geschaffen worden. Insbesondere in Stollberg habe der Anschluss zu den Bussen der „Grünen Linie” (Lugau/Oelsnitz), in Richtung Thalheim sowie von und nach Aue hohe Priorität, weil hier die Buslinie eingestellt wurde.

Ob sich die Fahrzeiten auf der Kursbuchstrecke 523 zwischen Stollberg und Glauchau ab Dezember optimieren lassen, könne derzeit noch nicht gesagt werden.

Das liege vor allem an der verfügbaren Trasse zwischen St. Egidien und Glauchau (Sachsenmagistrale), teilte die City-Bahn mit. Dazu habe allerdings die Deutsche Bahn AG noch keine Aussagen gemacht. Zudem sind laut Aussage des Unternehmens wegen der kompletten Umgestaltung des Bahnhofs Glauchau weiterhin Kapazitätsengpässe bei nutzbaren Gleisen und Bahnsteigen zu befürchten.

Sicher sei allerdings, dass in den Abendstunden die derzeitigen Abweichungen vom Takt mit neuem Fahrplan verschwinden werden. Damit müsste Lutz Pornig seine Tochter auch nicht mehr mit dem Auto von Stollberg abholen.

Viel Geduld braucht auch diese Junge Dame: Warten auf den Anschlusszug in Stollberg. Foto Andreas Tannert
Viel Geduld braucht auch diese Junge Dame: Warten auf den Anschlusszug in Stollberg. Foto Andreas Tannert

von Lars Müller
Juni 2003

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