Artikel aus der Freien Presse vom 28. November 2002

Chemnitz: Neue Preise, neue Zeiten, neue Verbindungen

Verkehrsverbund Mittelsachsen korrigiert das Tarifsystem und wechselt den Fahrplan

von Sven Frommhold

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), der den Regierungsbezirk Chemnitz mit Ausnahme des Vogtlandes umfasst, wird zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember die bereits angekündigten drei Preissenkungen beim Verbundtarif vollziehen. Darüber hinausgehende Nachlässe gibt es nicht. Mit den Änderungen habe man auf die teils „große Kritik“ der Kunden reagiert, sagte am Donnerstag Gert Gottschalk, Chef der Chemnitzer Verkehrs AG (CVAG) und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsverbund Mittelsachsen, in Chemnitz. Zugleich schloss er Preiserhöhungen für die nächsten Monate aus. „Der Tarif wird sich aus heutiger Sicht im nächsten Jahr nicht verändern“, versprach Gottschalk.

In der größten Stadt der Region, wo die Fahrgäste am meisten unter der Angleichung der Fahrpreise von Bus, Straßen- und Eisenbahn zwischen 28 beteiligten Verkehrsunternehmen zu leiden hatten, wirkt sich nun auch der Nachlass am stärksten aus. So gilt der Kurzstreckenfahrschein auf den Linien der CVAG bei unverändertem Preis von 0,70 Euro ab 15. Dezember für sechs Haltestellen. Im Regionalbusverkehr, im kleinen Stadtverkehr sowie im Stadtverkehr Freiberg bleibt es bei maximal vier Stationen.

Darüber hinaus werden die Preise für die vor allem von Senioren gern genutzte 9-Uhr-Monatskarte und das dazugehörige Jahresabo im gesamten Gebiet gesenkt - in Preisstufe 1 (eine Tarifzone) zum Beispiel von 32 auf 28 bzw. von 320 auf 280 Euro. Außerdem kostet die Familientageskarte für eine Tarifzone nur noch 5 statt bisher 6 Euro.

Dass die VMS-Kunden mit diesen Beträgen nicht schlecht fahren, verdeutlichte Gottschalk anhand von Vergleichen. Demnach kostet etwa das Kurzstreckenticket für maximal vier Haltestellen in Leipzig 1,10 und in Dresden 1 Euro. Im Zwickauer Stadtverkehr berappen die Passagiere laut Gottschalk zwar ebenfalls 70 Cent, kommen damit aber nur drei Stationen weit. In dieser Kategorie würde sich für Kunden der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau der Wechsel zum Verbundtarif also bereits lohnen. Das Unternehmen war das einzige im VMS, das sich der Vereinheitlichung der Preise zunächst nicht angeschlossen hatte, da der Anstieg für seine Stamm-Fahrgäste sonst zu groß gewesen wäre. „Ich glaube, dass wir Ende 2003 neu darüber reden werden“, sagte Gottschalk - überzeugt davon, dass die Vorteile des Verbundes bald auch für die Zwickauer überwiegen.

Von ihnen profitieren zum Beispiel Pendler, die ohne Nachzahlung mit einem Fahrschein vom Nahverkehrszug oder Regionalbus in den Stadtverkehr ihres Arbeitsortes wechseln können. Die City-Bahn GmbH ermöglicht ab 15. Dezember sogar eine durchgängige Straßenbahnfahrt zwischen Bahnhof Stollberg und Chemnitz Hauptbahnhof. Die als „Chemnitzer Modell“ bekannte Strecke wird nach jahrelanger Vorbereitung in Betrieb genommen. Damit verbunden ist die Anpassung mehrerer Buslinien.

Eine Premiere gibt es auch auf der Strecke Glauchau-Rochlitz-Geithain, die per Zug derzeit nicht zu befahren ist. Statt des gewöhnlichen Schienenersatzverkehrs mit seinem eher schlechten Image fährt dort künftig ein „Bahnbus“ - ein hochmoderner Bus mit Abteil für Fahrräder und Kinderwagen, Toilette und Bistro-Bereich. Ebenfalls neu zum 15. Dezember: Die Fahrzeit auf der modernisierten Erzgebirgsbahn-Route Zwickau-Johanngeorgenstadt verkürzt sich um 10 auf 70 Minuten.

Mit etwas Verspätung werden dagegen laut Jens Müller, Leiter des VMS-Büros in Chemnitz, die neuen Fahrplanbücher eintreffen. Sie sind voraussichtlich erst kurz vor dem 15. Dezember erhältlich. Und noch eine Verzögerung hatte Müller zu vermelden - allerdings dürfte es deswegen kaum Proteste geben: Die eigentlich bundesweit für 1. Januar avisierte Anhebung der Strafe für Schwarzfahrer von 30 auf 40 sowie der Gebühr für das Nichtmitführen personengebundener Zeitkarten von 5 auf 7 Euro kommt erst am 1. April. Die Deutsche Bahn als Mitglied des Verbundes könne die Änderung technisch nicht eher umsetzen, sagte Müller. Um einheitliche Preise innerhalb des VMS zu gewährleisten, werde die Erhöhung verschoben.

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