Artikel aus der Freien Presse vom Juli 2002

Züge rollen bald wieder Richtung Stollberg

Chemnitzer CityBahn geht zum Jahresende mit eigenen Dieseltriebwagen auf Strecke nach Glauchau an den Start - Neue Haltepunkte entstehen

VON LARS Müller

Stollberg/St. Egidien/Chemnitz. Zum großen Fahrplanwechsel am 15. Dezember dieses Jahres sollen wieder Züge zwischen St. Egidien und Stollberg rollen. Die Weichen für ein neues Bahnzeitalter auf der gut 19 Kilometer langen Regionalstrecke sind längst gestellt. Nur noch wenig wird dann an das bisherige Angebot von DDR-Reichsbahn und Deutscher Bahn AG erinnern. Die Chemnitzer City-Bahn rollt zum Jahresende mit drei eigenen Dieseltriebwagen des Typs Regio Shuttle an den Start auf der Kursbuchstrecke 523.

„Bis dahin gibt es an der Trasse aber noch jede Menge zu tun”, sagt Andreas Rasemann, Geschäftsführer der City-Bahn GmbH. Mehr als sieben Millionen Euro werden in die Sanierung des Oberbaus, die Sicherung von Bahnübergängen und die Ausbesserung von Brückenbauwerken gesteckt. Die nostalgischen Telegrafenmasten am 1878 in Betrieb genommenen und nun auf 20 Jahre von der Bahn AG gepachteten Schienenstrang sollen ebenfalls verschwinden. Statt dessen wird die gesamte Sicherungstechnik in unterirdische Kanäle verlegt. Doch selbst all das zusammen dürfte kaum mehr Fahrgäste in die Züge locken, weiß auch Rasemann. Deshalb verdoppelt die City-Bahn die Zahl der Haltepunkte auf 14, die Endbahnhote nicht mitgerechnet. Allein in Lichtenstein werden drei neue Stationen errichtet: am Gewerbegebiet, in der Ernestinenstraße und an der Hartensteiner Straße. Hohndorf bekommt den neuen Haltepunkt „Mitte” und Oelsnitz einen weiteren an der Bahnhofstraße. Auch in Neuwürschnitz und an der Stollberger Schlachthofstraße stop pen die Triebwagen künftig noch einmal. Die Haltepunkte Mittel- und Neuoelsnitz werden dafür verlegt, um den Anwohnern den Weg zum Zug zu verkürzen. Alle übrigen „alten” Bahnhöfe werden auch weiterhin bedient. „Bisher ist die Bahn auf der Strecke am Bedarf vorbeigefahren”, betont Rasemann. Im Klartext heißt dies, dass die Stationen zu weit von den Siedlungen entfernt waren. So stiegen im Sommer 2001 auch nur noch 200 Pendler und Reisende je Tag in die Bummelzüge. Auch der derzeitige Schienenersatzverkehr mit Bussen werde nur mäßig angenommen. „Wir wollen künftig täglich 7oo bis 8oo Fahrgäste befördern”, blickt der City-Bahn-Chef in die Zukunft.

Neben Berufspendlern und Schülern rechnet das Chemnitzer Bahnunternehmen auch mit Ausflügler nach Lichtenstein. Werktags soll die Strecke im Stundentakt und am Wochenende aller zwei Stunden bedient werden. Die Regio Shuttle mit 70 Sitzplätzen rauschen dann mit 8o Stundenkilometern durchs Chemnitzer Land in den Kreis Stollberg.

Die Fahrzeit zwischen Glauchau und Stollberg dürfte bei etwa 45 Minuten liegen. Der Bahnhof Lichtenstein soll zum planmäßigen Kreuzungsbahnhof umgestaltet werden, wo sich künftig die Züge auf der ein gleisigen Strecke begegnen. Allerdings könne Glauchau erst nach Abschluss aller Bauarbeiten auf der Sachsen-Franken-Magistrale angesteuert werden, sagt Rasemann. Die drei rot-blauen Regionaltriebwagen, die in einer eigenen Werkstatt in Stollberg unterhalten werden, sind bereits bei der City-Bahn eingetroffen. Derzeit sind die Züge allerdings an die Freiberger Eisenbahn sowie an die Elbe-Weser-Bahn nach Bremervörde vermietet.

Bereits zum so genannten kleinen Fahrplanwechsel Mitte Juni übernimmt die City-Bahn den Regionalverkehr zwischen Chemnitz und Burgstädt von der Deutschen Bahn. Ab diesem Dezember sollen dann auch die Vario-Stadtbahnen aus der Chemnitzer City heraus bis nach Stollberg in Fahrt kommen. Ein Jahr später will die City-Bahn auf der Verbindung Chemnitz - Niederwiesa Hainichen die Signale auf Grün stellen.

Voraussetzung für den erfolgreichen Start des gesamten Chemnitzer Modells ist nach Rasemanns Worten allerdings, dass sich die sächsische Staatsregierung auch unter Milbradt zu dem Projekt bekennt und die notwendigen Fördergelder genehmigt.

Freie Presse Tilo Steiner, Foto: Detlev Müller, Quelle City-Bahn Chemnitz

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