Artikel aus der Freien Presse im März 2001

Bahn verschiebt Streckenausbau

In 53 Minuten per Zug von Chemnitz nach Leipzig erst Ende 2003 - City-Bahn nach Stollberg ab September 2002

VON UDO LINDNER

Chemnitz/Stollberg. Die Deutsche Bahn AG lässt Chemnitz ein weiteres Mal im Stich. Beim „Grünen Stammtisch“ am Dienstagabend im Umweltzentrum, als über die Zukunft des öffentlichen Personenverkehrs in Chemnitz diskutiert wurde, ließ Hans-Ulrich Schmidt, Referatsleiter für Eisenbahnund Schienenverkehr im sächsischen Wirtschaftsministerium, die Bombe platzen. „Die Deutsche Bahn hat uns mitgeteilt, erst Mitte 2002 mit dem Ausbau der Strecke Chemnitz-Leipzig zu beginnen. “ Nunmehr sei frühestens Ende 2003 damit zu rechnen, in 53 Minuten mit dem Zug von Chemnitz nach Leipzig zu kommen.

Noch im September vergangenen Jahres hatte der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn für Sachsen, Hans-Jürgen Lücking, in Chemnitz angekündigt, dass der 135 Millionen teure Ausbau der 83 Kilometer langen Strecke Ende 2002 abgeschlossen sein soll. Der Bahnvorstand in Frankfurt/Main hat allerdings noch immer nicht entschieden. Schmidt kündigte gegen die Pläne der Bahn allerdings den energischen Widerstand des Freistaates an: „Unser realistisches Ziel ist Anfang 2003“.

Mit Ihrer zögerlichen Haltung torpediert die Bahn zum Teil auch die Pläne der City-Bahn, das „Chemnitzer Modell“ nach der Strecke Chemnitz-Stollberg (Start: September 2002) auch auf die Verbindung nach Burgstädt auszudehnen. Geplant ist, dass die City-Bahn nach dem Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig, eine Verbindung von Burgstädt nach Chemnitz einrichtet.

Zumindest für den geplanten umsteigefreien Bahnbetrieb zwischen Chemnitz/Hauptbahnhof und Stollberg konnte CVAG-Vorstand Gert Gottschalk nach Jahren des Stillstandes währen des „Stammtisches“ konkrete Termine nennen. So beginnt im Mai der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke von Altchemnitz nach Stollberg. Die Citybahn wird dann durch Busbetrieb ersetzt. Insgesamt kosten die Baumaßnahmen rund 64 Millionen Mark, wovon die Stadt einen Eigenanteil von zehn Prozent übernehmen muss. Wie Hans-Ulrich Schmidt sagte, hat der Freistaat seit 1993 bereits 28 Millionen Mark in das Projekt investiert.

Mehrere Bürger äußerten jedoch erhebliche Zweifel, ob angesichts der derzeit miserablen Fahrgastzahlen zwischen Stollberg und Chemnitz diese Investitionen überhaupt gerechtfertigt seien. Mit Verweis auf die Strecke Freiberg-Holzhau, die nach Übernahme durch einen privaten Betreiber einen sprunghaften Anstieg der Fahrgastzahlen verzeichnet, hoffen sowohl Wirtschaftsministerium als auch City-Bahn in Chemnitz auf den gleichen Effekt. „Wenn wir im 20-Minuten-Takt fahren, bieten wir eine attraktive Alternative zum Auto“, so Gottschalk.

Auf mehrere Schwachpunkte im vorgesehnen Ausbau der Haltepunkte entlang der Strecke machte die Grüne Liga aufmerksam. Gottschalk kündigte daraufhin an, die Planungen nochmals zu überprüfen.

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