Artikel aus der Freien Presse vom 23. Dezember 2000

Künftig mit der Straßenbahn nach Chemnitz reisen

Chemnitzer Modell im Gemeinderat von Neukirchen diskutiert – Sommer 2002 sollen Bahnen zwischen Chemnitz und Stollberg rollen

Von Bernd Wild

Neukirchen. Voraussichtlich ab dem Sommer 2002 kann man mit der Straßenbahn von Chemnitz nach Stollberg fahren. Mit dieser Entscheidung wird ein erster entscheidender Teil des Chemnitzer Modells umgesetzt. Konkret handelt es sich hierbei um eine 16,6 Kilometer lange elektrifizierte Strecke, auf der moderne Variobahnen verkehren sollen. Über das Vorhaben informierte Claus Propper von der Hayek Engineering AG Zürich am Mittwochabend den Neukirchner Gemeinderat. Das Schweizer Unternehmen ist für das Projektmanagement verantwortlich.

Verknüpfung von Bus und Bahn
Da diese Strecke durch Neukirchen und Adorf führt, machte Propper die Gemeinderäte vor allem mit den künftigen Haltepunkten vertraut. So werde in Adorf diese Haltestelle in Richtung Straße vorgezogen. „Wichtig ist die insbesondere die Verknüpfung zwischen Bus- und Bahnhaltestelle. Beim Chemnitzer Modell geht es nicht nur um die Eisenbahn, sondern auch um eine vernünftige Busanbindung”, sagte Propper. Deshalb werde auf beiden Seiten der Straße in Adorf eine Bushaltestelle beziehungsweise eine Haltebucht eingerichtet. Außerdem entstehen in unmittelbarer Nähe des Haltepunktes in Adorf sechs Parkplätze für PKW sowie überdachte Fahrradständer.

Fahrzeit 40 Minuten
Die Fahrzeit zwischen Chemnitz und Stollberg soll nach Fertigstellung des Projektes etwa 40 Minuten betragen. Das sei aber noch nicht das endgültige Ergebnis. Hierzu werden derzeit weitere Untersuchungen durchgeführt. In der Hauptverkehrszeit sollen die Bahnen im 20-Minuten-Takt verkehren. Was den Haltepunkt Neukirchen-Klaffenbach betrifft, so werde hier ein neuer Bahnübergang entstehen.
Die Gemeinderäte hatten im nachhinein zahlreiche Fragen an die Verantwortlichen des Projektmanagements. So wollte Rico Schulze (CDU) wissen, wann die Bauarbeiten auf dieser Strecke beginnen. Wie Propper betonte, soll es voraussichtlich im Sommer 2001 losgehen. „Auf alle Fälle will die City Bahn GmbH als Betreiber den Schülerfahrbetrieb bis zu den Schulferien noch durchführen. Während der Bauarbeiten wird Schienenersatzverkehr erfolgen”, bemerkte er. Etwas skeptisch sieht das Ganze Johannes Weidmüller (SPD). „Ist bei der Planung mit einbezogen worden, dass die beiden Haltepunkte jeweils am Ende der Orte liegen? Ich kann mir darum nicht vorstellen, das künftig mehr Leute mit der Bahn fahren”, unterstrich er. Nach den Worten von Propper soll auch keiner dorthin laufen. Bei diesem Projekt gehe es um eine „intelligente Verknüpfung mit anderen Verkehrsströmen”. Man könne mit dem Bus, dem eigenen PKW oder mit dem Fahrrad zu dem jeweiligen Haltepunkt fahren. „Zudem wird durch die neuen Variobahnen das Fahren viel attraktiver. Ferner kommt das Verkehren der Bahnen im 20-Minuten-Takt den Leuten zu Gute”, meinte Propper. Man könne sozusagen mit der Straßenbahn in die Stadt bzw. aufs Land fahren. Die jetzigen Züge halten bspw. nur am Hauptbahnhof oder am Bahnhof Süd.

Hindernisse im Vorfeld
Maria Gorow (Freie Wählergemeinschaft) wies auf die vielen Hindernisse hin, die im Vorfeld des Chemnitzer Modells zu hören waren. „Sind diese nun mehr alle aus dem Wege geräumt?” fragte sie. Dazu Propper: „Wir haben vor allem preislich nicht hundertprozentig das erreicht, was wir wollten. Dennoch sind die Verhandlungen mit der Bahn zu einem guten Abschluss gekommen.”

Anteil der Gemeinden
Obwohl diese Pilotprojekt zum Großteil der Freistaat finanziert, müssen die jeweiligen Gemeinden einen gewissen finanziellen Anteil aufbringen. Für Neukirchen betrifft das die neuen Parkplätze und die Bushaltestellen in Adorf, sowie den geplanten Bahnübergang am Haltepunkt Neukirchen-Klaffenbach. Nach einer aufgestellten Grobrechnung wären das rund 1,3 Millionen Mark. „Die Gemeinden bekommen aber unter anderem über das Verkehrswegefinanzierungsgesetz bis zu 90 Prozent der Kosten gefördert”, wies Propper hin.

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